Sport Schweiz 2020
Ein Leben ohne Sport ist möglich – aber sinnlos. Dieses abgewandelte Zitat von Loriot scheint auch ein grosser Teil der Schweizer Bevölkerung zu beherzigen. In der Schweiz wird heute so viel Sport getrieben wie noch nie. Der Sport wird zunehmend vielfältiger und bunter, aber auch uneinheitlicher und heterogener. .
Entwicklung der Sportaktivität
Es lässt sich seit der ersten "Sport-Schweiz"-Studie ein kontinuierlicher Anstieg der Sportaktivität beobachten. Zwischen 2014 und 2020 ist der Anteil der Bevölkerung, der mehrmals pro Woche Sport treibt und dabei auf mindestens drei Stunden Sport kommt, von 44 auf 51 Prozent angestiegen. Besonders augenfällig ist dabei auch, dass erstmals die Zahl der sportlich Inaktiven signifikant gesunken ist. Der Rückgang der Nichtsportler und Nichtsportlerinnen hängt auch mit einer weiteren Ausdehnung des Sportbegriffs zusammen, während sich ebenfalls zeigt, dass insbesondere die älteren Generationen und die Frauen sportlicher geworden sind.
Sport- und Bewegungsverhalten
Weder in der Sportpolitik noch in der Sportwissenschaft konnte man sich auf eine eindeutige und verbindliche Definition von Sport einigen. Wenn man Sport messen möchte, dann verwendet man häufig den Sportindikator. Dieser beruht auf drei einfachen Fragen: "Treiben Sie Sport?", "Wie häufig treiben Sie Sport?", "Wie viele Stunden Sport ergibt dies etwa pro Woche?". Der Sportindikator wird gebildet, indem man die Angaben zur Häufigkeit mit den Angaben zur Dauer kombiniert. Zur Folge auf die Erhebung der allgemeinen Sportaktivität stellt sich die Frage: "Welche Sportarten betreiben Sie?". Bei jeder genannten Sportart werden dann wiederum die Häufigkeit und die Dauer der Ausübung sowie das Setting erfragt. Aus diesen Angaben lässt sich nicht nur das exakte Sportartenprofil der Schweizer Bevölkerung berechnen, sondern es können auch Rückschlüsse auf das Sportverständnis gezogen werden. Über die letzten 40 Jahre lässt sich nicht nur eine Zunahme der Sportaktivität ausmachen, sondern auch eine Ausdehnung des Sportbegriffs. Ein ersichtlicher Zusammenhang besteht zwischen Sport- und Bewegungsaktivität. Wer viel Sport treibt, erfüllt mit hoher Wahrscheinlichkeit die Bewegungsempfehlungen und erreicht mehrheitlich die Stufe "trainiert" (Vergleich Bewegungsempfehlungen hepa.ch). Bei den Nichtsportler und Nichtsportlerinnen wie auch bei den Sportler und Sportlerinnen mit mittlerer Aktivität erfüllen hingegen über ein Drittel die Bewegungsempfehlungen nicht.
Geschlechter- und Altersunterschiede
Heute treiben Frauen praktisch gleich viel Sport wie Männer. Die Frauen haben die Männer somit eingeholt. Besonders auffällig wird dies bei den aktiven Sportlerinnen. Vor 20 Jahren zählte erst ein knappes Drittel aller Frauen zu sehr aktiven Sportlerinnen, heute ist es über die Hälfte. Auch bei den Männern hat die Gruppe der sehr Aktiven zugenommen, die Zunahme ist aber weniger stark, da bereits im Jahr 2000 zwei Fünftel aller Männer zu den sehr aktiven Sportlern zählten.
Auch bei den Altersunterschieden sieht man eine klare Veränderung. Bereits vor sechs Jahren konnte man feststellen, dass sich die Altersunterschiede beim Sporttreiben verringert haben. Die Sportaktivität ging mit dem Alter nicht zurück. In der jüngsten Altersgruppe 15- bis 24- Jährigen wurde zwar immer noch am meisten Sport getrieben. Im Alter ab 35 Jahren blieb aber zumindest der Anteil an Personen mit hoher Aktivität erstaunlich stabil. Die Sportaktivität von Personen in der zweiten Lebenshälfte hat stark zugenommen. Zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr geht der Anteil an sehr Aktiven zwar immer noch zurück, er steigt danach aber wieder an und ist bei den 65- bis 74-Jährigen neu gleich hoch wie bei den 15- bis 24-Jährigen. Bei den Männern ist es aber mehr so, dass das Sporttreiben in allen Altersphasen dazugehört. Demgegenüber fällt die höhere Flexibilität der Frauen auf, die je nach Lebensphase einmal mehr und einmal weniger Sport treiben. Gleichzeitig gibt es auch einen beachtlichen Anteil an Frauen, die in der zweiten Lebenshälfte mehr Sport treiben als in jüngeren Jahren. Die Mehrheit von 70 Prozent hat ihre Sportaktivität im Lebenslauf verändert, indem sie heute weniger, mehr oder je nach Lebensphase unterschiedlich viel Sport treibt.
Sportmotive und Sportverständnis
Sport kann man aus den unterschiedlichsten Gründen betreiben. Die einen möchten sich im Wettkampf messen, andere ihre Gesundheit fördern oder die Fitness steigern. Suchen die einen den Nervenkitzel oder das gesellige Zusammensein im Verein, finden die anderen Entspannung und Erlebnisse in der freien Natur. Das häufigste Motiv um Sport zu treiben ist um fit zu bleiben und generell für die Gesundheit. Auch Entspannung und Stressabbau sind wichtige Bewegungsgründe. Gut die Hälfte denkt beim Sporttreiben an die positiven Wirkungen auf Gewicht und Figur und für etwa ein Drittel stehen Geselligkeitsmotive im Vordergrund. Die hohe Zustimmung zu den verschiedenen Motiven macht deutlich, dass es nicht nur zahlreiche Gründe gibt, Sport zu treiben, sondern dass im Sport verschiedene Bedürfnisse gleichzeitig befriedigt werden können. Sport ist im besten Sinne multifunktional. Dazu kommt, dass die weitaus meisten Sporttreibenden mehrere Sportarten ausführen und bei unterschiedlichen Sportaktivitäten auch unterschiedliche Bedürfnisse abdecken.
Wettkamps- und Leistungssportler sind besonders engagiert und dies oft ein Leben lang. Die Wichtigkeit von Wettkampf und Leistung hängt allerdings nicht nur mit dem Alter und dem Geschlecht zusammen, sondern insbesondere auch mit dem Ausmass der Sportaktivität. Sporttreibende, die sich sportliche Ziele setzen, sich mit anderen messen und gerne an Wettkämpfen teilnehmen, treiben überdurchschnittlich viel Sport. Wettkampf und Leistung mag zwar für viele Sporttreibende kein zentrales Motiv mehr darstellen, wer aber Leistungs- und Wettkampfsport als wichtig einstuft, zeigt sich besonders sportbegeistert und kann diese Begeisterung auch häufig über die ganze Lebensspanne aufrechterhalten.
Sportarten und Sportwünsche
Neben der Vielfältigkeit fällt auf, dass die Polysportivität der Schweizer Bevölkerung noch einmal zugenommen hat. Heute übt ein durchschnittlicher Sportler 4.5 verschiedene Sportarten aus. Die Sportarten mit den meisten Aktiven bleiben Wandern, Radfahren, Schwimmen, Skifahren und Jogging. Dieser "helvetische Fünfkampf" führt seit 2000 die Liste der beliebtesten Sportarten an. Bemerkenswert ist aber, dass die populären Lifetime-Sportarten in den letzten 20 Jahren noch populärer wurden. Wenn man die beliebtesten Sportarten der Schweizer Bevölkerung bestimmen will, muss man nicht nur beachten, wie viele Personen sie ausüben, sondern auch, wie häufig eine Sportart betrieben wird. Generell fällt auf, dass die Mehrheit der Sportarten heute mehr Aktive zählt als vor sechs Jahren, dafür ist die Häufigkeit der Ausübung gesunken. So sind zum Beispiel die Personen, die tanzen, von 7.8 auf 11.4 gestiegen, die Hälfte dieser Personen übt die Sportart aber nicht an mehr als 10 Tagen im Jahr aus. Diese Entwicklung lässt sich auch dadurch erklären, dass heute mehr Sportarten parallel nebeneinander betrieben werden und somit für die einzelnen Sportarten weniger Zeit bleibt. Zudem variieren Sportpräferenzen nach Alter und Geschlecht. Somit wählen Frauen häufig andere Sportarten als Männer. Beim Alter und Geschlecht lohnt es sich, noch etwas genauer hinzuschauen. Wandern ist auch deshalb so populär, weil es in allen Altersgruppen sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern zu den am häufigsten ausgeübten Sportarten gehört. Die aktuellen Boomsportarten sind auch die meistgenannten Wunschsportarten. Bei den jüngeren Sporttreibern ist der Wunsch, neue Sportarten kennenzulernen oder bereits betriebene Sportarten zu intensivieren, deutlich ausgeprägter als bei den Älteren. Damit stehen diejenigen Sportarten ganz oben auf der Wunschliste, die in den letzten sechs Jahren am meisten gewachsen sind. Im Vergleich zu 2014 erfährt heute die Mehrheit der Sportarten weniger Nennungen als Wunschsport. Dies ist ein Hinweis darauf, dass viele Vorsätze und Wünsche in den letzten sechs Jahren verwirklicht werden konnten. Der Sportboom dürfte also kaum im selben Ausmass weitergehen wie in den letzten sechs Jahren.
Regionale Unterschiede
Auf dem Land, in der Agglomeration und in der Stadt wird praktisch gleich viel Sport getrieben. Die Bewohner und Bewohnerinnen von Grossstädten mit über 100'000 Einwohnern sind gleich sportlich wie die Bewohner und Bewohnerinnen von Gemeinden mit unter 2'000 Einwohnern. Wie sportlich die Bevölkerung einer bestimmten Gemeinde ist, hängt also nicht von deren Grösse ab. Den höchsten Anteil an sehr aktiven Sportler und Sportlerinnen finden wir in touristischen Gemeinden. Der "helvetische Mehrkampf" mit Wandern, Radfahren, Schwimmen, Skifahren und Joggen liegt zwar überall klar an der Spitze der Beliebtheitsskala. Auf dem Land wird aber noch etwas häufiger gewandert und vor allem auch Ski gefahren, die Städter und Städterinnen schwimmen und joggen dafür mehr. Auffällig sind zudem ein hoher Anteil an Golfern aus den Agglomerationen sowie überdurchschnittlich viele Schützen und Leichtathleten in Landgemeinden. Mit Blick auf die Sportmotive ist erwähnenswert, dass auf dem Land beim Sporttreiben etwas mehr die Geselligkeit und die Natur betont werden, in der Stadt dafür die Motive Figur und Aussehen sowie Entspannung und Stressabbau etwas häufiger im Vordergrund stehen.
Schaut man sich in der Schweiz die regionalen Unterschiede im Sportverhalten an, so fallen nicht die Stadt-Land-Unterschiede auf, sondern die Differenzen zwischen den Grossregionen. In der Deutschschweiz wird deutlich mehr Sport getrieben als in der französisch- und der italienischsprachigen Schweiz. Auch 2020 lässt sich feststellen, dass es in der deutschen Schweiz weniger Nichtsportler und Nichtsportlerinnen und dafür auch mehr sehr aktive Sportler und Sportlerinnen gibt als in der lateinischen Schweiz. Die Unterschiede sind aber deutlich geringer geworden als noch vor 20 Jahren. Nach wie vor zeigen sich aber sprachkulturelle Unterschiede bei der Wahl der Sportarten. Bemerkenswert ist zudem, dass in der Romandie teilsmässig mehr Sportlerinnen und Sportler an Wettkämpfen teilnehmen als in der Deutschschweiz und im Tessin. Dass die Romands die Leistung und Wettkampfsport stärker betonen, zeigt sich auch bei den Sportmotiven. Auch die Geselligkeit sowie Entspannung und Stressabbau stehen bei der Westschweizer Bevölkerung beim Sporttreiben eher im Vordergrund als in der Deutschschweiz und im Tessin. Während man in der Deutschschweiz deutlich öfter Sport aus Freude an der Bewegung treibt, spielt in der lateinischen Schweiz das Motiv Figur und Aussehen eine wichtigere Rolle.
Soziale Unterschiede
Der Sportboom der letzten 20 Jahre hat dazu geführt, dass bei der Sportaktivität die Geschlechter- und Altersunterschiede weitgehend verschwunden sind und sich die Unterschiede zwischen den Sprachregionen stark verringert haben. Unterschiede in der Sportaktivität zeigen sich nach Bildung, Erwerbstatus, Berufsstellung, Wirtschaftssektor, Haushaltseinkommen und Haushaltsform. Der Anteil an Sportler und Sportlerinnen mit einer hohen Aktivität nimmt mit der Höhe des erreichten Bildungsabschlusses und der Höhe des Haushaltseinkommens kontinuierlich zu. Parallel dazu sinkt mit jeder Bildungs- bzw. Einkommensstufe der Anteil an Nichtsportlern und Nichtsportlerinnen. Sämtliche Einkommens- und Bildungsschichten konnten ihre Sportaktivität in ähnlichem Ausmass steigern. Lediglich Personen, die höchstens die obligatorische Schulpflicht erfüllten und keine weitere Ausbildung absolviert haben, scheinen etwas stehengeblieben zu sein. Sie haben am Sportboom weniger teilgenommen als die mittleren und höheren Bildungsstufen.
Weiter beeinflussen die Kinder die Sportaktivität der Eltern. In Paarhaushalten mit Kindern im Alter von über 14 Jahren finden wir den höchsten Anteil an Personen, die mehrmals pro Woche insgesamt mindestens drei Stunden Sport treiben. Unter den Paaren mit Kindern im Alter von 5 bis 14 Jahren gibt es am wenigsten Nichtsportler und Nichtsportlerinnen, unter den Paaren mit Kleinkindern im Alter unter 5 Jahren dagegen am wenigsten sehr aktive Sportler und Sportlerinnen. Einen signifikanten Einfluss auf die Sportaktivität hat auch die Nationalität. Herr und Frau Schweizer treiben mehr Sport als die in der Schweiz lebenden Ausländer und Ausländerinnen. Teilt man die Ausländer und Ausländerinnen nach Herkunft und Migration auf, sieht es anders aus. Während die Migranten und Migrantinnen aus Mittel- und Nordeuropa sogar aktiver als die Schweizer und Schweizerinnen ohne Migrationshintergrund sind, treiben die Migranten und Migrantinnen aus Süd- und Osteuropa deutlich weniger Sport.
Nichtsportler und Nichtsportlerinnen
Der Anteil an Nichtsportlern ist unter den Frauen nur wenig grösser als unter den Männern. In der lateinischen Schweiz finden wir immer noch etwas mehr sportlich Inaktive als in der Deutschschweiz. Nichtsportler und Nichtsportlerinnen treffen wir zudem vermehrt bei Personen mit tiefer Bildung und tiefem Einkommen, bei arbeitslosen Personen sowie bei Migranten und Migrantinnen, die aus einem süd- oder osteuropäischen Land in die Schweiz eingewandert sind. Auch 2020 gibt es Nichtsportler und Nichtsportlerinnen, die gelegentlich Sport- und Bewegungsaktivitäten unternehmen. Wandern, Radfahren und Schwimmern werden am häufigsten als gelegentliche Bewegungsaktivitäten genannt. Zwei Gründe sind denkbar warum sich ehemalige Nichtsportler und Nichtsportlerinnen sich neu als Gelegenheitssportler einstufen: Erstens haben die ehemaligen Nichtsportler die Intensität und Häufigkeit ihrer Aktivitäten soweit erhöht, dass sie sich heute als Sportler sehen. Zweitens könnte es in den letzten sechs Jahren zu einer weiteren Ausdehnung des Sportbegriffs gekommen sein, so dass ehemalige Nichtsportler jetzt ihre Aktivität zum Sport zählen. Fragt man die Nichtsportler nach Begriffen, welche sie mit Sport assoziieren, scheint es auf den ersten Blick keine grosse Unterschiede zu haben. Ein genauerer Blick macht allerdings klar, dass Sport von den Nichtspportlern deutlich seltener mit Individualität, Freude/Spass, Körpergefühl, Freiheit und Lebensstil assoziiert wird als von Sportlern. Wenn man konkret nach den Gründen fragt, weshalb die sportlich Inaktiven keinen Sport treiben, so wird am häufigsten auf die fehlende Zeit verwiesen. Häufig wird auch angeführt, dass man wegen der hohen Arbeitsbelastung zu müde für Sport sei, oder es wird auf gesundheitliche Gründe verwiesen. Die Wunschsportarten der Nichtsportler und Nichtsportlerinnen sind alles andere als ausgefallen. Häufig erwähnt werden mit Schwimmen, Fitnesstraining, Wandern, Radfahren, Krafttraining, Jogging, Yoga und Tanzen Sportarten, die auf der Hitliste der beliebtesten Sportarten der Gesamtbevölkerung weit oben zu finden sind und in den letzten Jahren einen Boom erlebt haben.
Sportorte , Sportzeiten, Sportsetting
Die hohe Sportaktivität der Schweizer Wohnbevölkerung erklärt sich auch durch die erstklassige Infrastruktur, die man hierzulande nutzen kann. Dies gilt einerseits für die meist von den Gemeinden bereitgestellten Sportanlagen, es trifft aber insbesondere auch für die vielen Sportmöglichkeiten im Freien zu. Bei den Sportorten, die jede Woche aufgesucht werden, liegt die allgemein gefasste Kategorie "freie Natur" an erster Stelle. Erstaunlich häufig wird auch zu Hause Sport getrieben. Wie bei der freien Natur, bei den Turn- und Sporthallen sowie bei den privaten Fitness- und Sportcentern fällt hier insbesondere der hohe Anteil an wöchentlichen Nutzungen auf. Je nach Anlage und Angebot steht die Sportinfrastruktur gleich in der eigenen Wohngemeinde zur Verfügung. Oder man nimmt dafür eine mehr oder weniger lange Anreise in Kauf. Die Sportler und Sportlerinnen wählen ihre Sportstunden am liebsten flexibel aus. Am beliebtesten ist aber nach wie vor der Abend, gefolgt vom Morgen und dem Nachmittag. Die Vollzeiterwerbstätigen und Personen in Ausbildung treiben vor allem am Abend Sport.
Sport im Verein
Gemäss der letzten nationalen Vereinserhebung gibt es in der Schweiz 19'000 Sportvereine, in denen 2 Millionen Aktivmitglieder Sport treiben. Der Anteil an aktiven Vereinsmitgliedern in der Bevölkerung ist in den letzten sechs Jahren auf 22 Prozent zurückgegangen. Der Rückgang ist zwar nicht dramatisch, die Sportvereine können aber weder vom Bevölkerungswachstum noch vom Sportboom profitieren und müssen schauen, dass sie ihre Mitgliederbestände halten können. Trotz des Rückgangs bleibt der Sportverein der wichtigste Sportanbieter. Männer machen etwas häufiger im Sportverein mit als Frauen. In der italienischen Schweiz ist vergleichsweise zu den anderen Sprachregionen der Anteil an Vereinsmitgliedern leicht gestiegen. Obwohl Sportvereine für alle offen sind und eine Vereinsmitgliedschaft in der Regel günstig ist, sind Personen mit tieferem Haushaltseinkommen deutlich weniger in den Sportvereinen vertreten als Personen mit mittlerem und hohem Einkommen. Aktive Vereinssportler und Vereinssportlerinnen zeichnen sich durch eine hohe Sportaktivität aus. Zudem handelt es sich bei den Aktivmitgliedern häufiger um Wettkampfsportler. Es sind häufig jedoch nicht allein sportliche Motive, weshalb man in einem Sportverein mitmacht. Bei den Gründen, die für eine Mitgliedschaft sprechen, kommt auch den sozialen Aspekten eine besondere Bedeutung zu. Man kann sagen, dass die Sportvereine eine wichtige Rolle in der Sportsozialisation spielen, zentrale Träger des Wettkampfsports sind und Integrations- und Gemeinwohlfunktionen erfüllen.
Sport im Fitnesscenter
Im Schatten der Sportvereine sind die Fitnesscenter in den letzten 20 Jahren zu einem wichtigen Sportanbieter herangewachsen. Im Gegensatz zu den Vereinsmitgliedschaften steigen die Mitgliedschaften in den Fitnesscentern stetig an. Die Geschlechter- und Nationalitätsunterschiede, die für die Sportvereine typisch sind, existieren bei den Fitnesscentern nicht.
Personen mit hohem Haushaltseinkommen sind jedoch fast dreimal häufiger in Fitnesscentern anzutreffen als Personen mit tiefem Einkommen. Die grösste Differenz zwischen Vereinen und Fitnesscentern besteht beim Stadt-Land-Unterschied. Von den Stadtbewohnern besitzen 23 Prozent ein Abonnement, auf dem Land trifft dies nur auf 13 Prozent zu. Die hohe Flexibilität, Wahlfreiheit und Ungebundenheit werden neben dem guten Angebot sowie der fachkundigen Betreuung und Beratung bei den Vorteilen eines Fitnessabonnements hervorgehoben. Ein weiterer Vorteil für die Mitglieder ist, dass sie keine Verpflichtungen haben und sehr ungebunden sind.
Sport in den Ferien
Zu den Sportferien werden alle Ferien und Reisen mit mindestens einer auswärtigen Übernachtung gezählt, während denen sportliche Aktivitäten im Vordergrund stehen. Bei den in den letzten 12 Monaten durchgeführten Sportferien und Sportreisen kommen die Reisenden auf insgesamt durchschnittlich neun Übernachtungen in der Schweiz. Sportferien sind aber bei Männern und Frauen jeglichen Alters beliebt. Grössere Unterschiede als beim Geschlecht und Alter zeigen sich nach Sprachregion, Einkommensklasse und Nationalität. In der Deutschschweiz sind Sportferien deutlich beliebter als in der französisch- und italienischsprachigen Schweiz. Erwartungsgemäss kann man sich mit steigendem Haushaltseinkommen eher und häufiger Sportferien leisten. Die mittleren und hohen Einkommen unterscheiden sich weniger in der Frage, ob man in die Sportferien reist, sondern wohin und wie lange man fährt oder fliegt. Im Gegensatz zur allgemeinen Sportaktivität lässt sich bei den Sportferien aber kein Wachstum erkennen.
Sportausgaben
Bei der Befragung, wie hoch die Sportausgaben bei Herr und Frau Schweizer ist, wurden zwischen Ausgaben für Sportbekleidung und Sportausrüstung, für Sportangebote und Sportdienstleistungen, für die Sportanlagenbenutzung, für den Besuch von Sportveranstaltungen sowie für Sportferien unterschieden. Im Durchschnitt gibt eine Person in der Schweiz rund 2'000 CHF für Sport aus. Die beiden grössten Ausgabeposten sind Sportbekleidung und Sportausrüstung sowie Sportferien und Sportreisen. Für beide Bereiche werden jährlich je 580 CHF ausgegeben, wobei etwa doppelt so viele Personen Ausgaben für Sportbekleidung und Sportausrüstung haben als Ausgaben für Sportferien und Sportreisen. Für Sportangebote bei Vereinen, Fitnesscentern und anderen Anbietern werden durchschnittlich gut 400 CHF ausgegeben. Erwartungsgemäss gibt es bei den Sportausgaben grosse Unterschiede, je nachdem wie viel Sport man treibt und wie viel Geld man zur Verfügung hat. Gutverdienende haben vor allem deutlich höhere Ausgaben für Bekleidung und Ausrüstung sowie für Sportferien. Wenig erstaunlich ist, dass sehr aktive Sportler und Sportlerinnen durchschnittlich am meisten Geld für Sport aufwenden. Die Sportausgaben unterscheiden sich zudem nach Geschlecht, Alter, Sprachregion und Nationalität. Männer geben mehr Geld für Sport aus als Frauen und zwar vor allem bei der Bekleidung und Ausrüstung, bei den Sportferien sowie beim Besuch von Sportveranstaltungen. In der Deutschschweiz wird mehr für Sport ausgegeben als in der französisch- und italienischsprachigen Schweiz, wobei die grössten Unterschiede bei den Sportferien liegen.
Sportverletzungen
Die Sportaktivität hat stärker zugenommen als die Sportunfälle. Bei gut zwei Dritteln der angegebenen Sportverletzungen handelt es sich rechtlich gesehen um einen Unfall, der plötzlich und unvermittelt aufgetreten ist. Ein Fünftel der Sportverletzungen ist chronisch oder Folge einer früheren Verletzung und würde von den Versicherungen als Krankheit behandelt werden. Männer verletzen sich häufiger beim Sporttreiben als Frauen. Obwohl sich die Frauen weniger oft verletzen, sind ihre Verletzungen tendenziell etwas gravierender. Mit zunehmendem Alter geht der Anteil Verletzter zurück, bei den Männern jedoch steiler als bei den Frauen. Kommt es bei Nichtsporttreibenden zu einer Verletzung bei ihren sportlichen Bewegungsaktivitäten, dann handelt es sich häufiger um eine schwere Verletzung. Am meisten Sportunfällen passieren beim Fussball, Jogging, Laufen, Radfahren, Skifahren und Wandern.
Interesse am Mediensport
Im Gegensatz zum aktiven Sporttreiben, wo wir einen ungebrochenen Boom beobachten können, ist beim passiven Sportkonsum eine gewisse Sättigung aber unverkennbar. Beim Sportinteresse zeigen sich weiterhin die bekannten Unterschiede nach Geschlecht, Alter, Haushaltseinkommen und Sportaktivität, zudem werden neu auch Unterschiede zwischen den Sprachregionen und der Nationalität sichtbar. Männer, ältere Personen, aktive Sportler sowie in geringerem Masse Deutschschweizer, Schweizer Bürger und Personen mit mittlerem bis höherem Haushaltseinkommen haben ein überdurchschnittliches Sportinteresse. Beim Sportkonsum scheint Fernsehen nach wie vor das Leitmedium zu sein. Erwartungsgemäss gibt es einen grossen Unterschied zwischen den Altersgruppen. Jüngere Personen verfolgen das Sportgeschehen mittlerweile fast ebenso häufig im Internet wie im Fernsehen. Noch lässt sich der Fernseher etwas salopp als des Schweizers liebstes Sportgerät bezeichnen, dieser Ehrentitel gebührt zukünftig aber wohl eher dem Wanderschuh, dem Velo oder der Yogamatte.
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Sport Schweiz 2020